Setze dir das Ziel, zehn echte Mist-Sätze zu produzieren, die trotzdem die Richtung treffen. Paradox: Weil Perfektion aus dem Raum ist, steigt Treffsicherheit. Du wirst frecher, konkreter, schneller. Anschließend pickst du die stärksten Gedanken heraus, verstärkst die Verben, kappst Füllwörter und findest ohne Widerstand zu klaren Aussagen, die Leser wirklich tragen.
Formuliere drei offene Fragen an deinen Text: Worauf läuft das hinaus? Welche Überraschung wartet? Welche Konsequenz folgt? Beantworte jede Frage mit zwei Sätzen, ohne Beispiele. Dieser gefilterte Vorlauf klärt Logik, legt einen roten Faden und schenkt dir klare Absprungpunkte, die anschließend leicht mit Bildern, Belegen und Rhythmus ausgestaltet werden können.
Schiebe starke Verben nach vorn und löse sperrige Substantivketten auf. So denkt dein Kopf in Handlungen, nicht in Abstrakta. Du spürst schneller, was wirklich passiert, findest präzise Subjekt‑Prädikat‑Folgen und baust Tempo auf. Als Sofortübung: Markiere drei Sätze, ersetze nominale Phrasen durch Verben und lies laut, wie der Text hörbar atmet.
Markiere beim Schreiben nur mit einem dezenten Tag wie [KÜRZEN], ohne zu löschen. So bleibt Fahrt erhalten, und du sammelst Stellen für den Editiergang. Wenn du später kürzt, orientiere dich an Absicht, Leserfragen und Rhythmus. Schneide ganze Sätze, nicht Silben, damit Klarheit steigt und die Energie des Textes vollständig spürbar bleibt.
Halte am Rand eine Liste für Einfälle, Quellen und Formulierungsfunken, die während des Schreibens auftauchen. Statt abzuschweifen, parkst du sie und bleibst beim aktuellen Abschnitt. Im Editieren prüfst du, was trägt, integrierst Relevantes, verwirfst Rest. Die Methode reduziert kognitive Last erheblich und bewahrt überraschende, wertvolle Funde für den richtigen Moment.
Lies den Text später laut in der Rolle einer bestimmten Leserin: skeptische Kollegin, neugieriger Kunde, eilige Redaktion. Jede Rolle stellt andere Fragen. Markiere Stolperstellen, schwache Verben, fehlende Belege. Verstärke Konkretion, runde Übergänge und setze am Schluss eine klare Einladung zum Antworten oder Weiterdenken, damit der Text lebendig weiterwirkt.